„Ist innen das Qi der Fünf Zang-Organe bereits erschöpft, und will man daher mit der Nadelung eine Stabilisierung des äußeren Qi des Yang erreichen so wird dies ‘eine Verstärkung des Qi Erschöpfung’ genannt . . . ist auf einen Verstoß gegen das Prinzip des Qi-Gleichgewichts zurückzuführen.
Eine Erschöpfung des Qi der Fünf Zang-Organe außen bei einer Stabilisierung des inneren Qi durch Nadelung wird ‘umgekehrte Erschöpfung’ genannt . . .
. . . wird dadurch herbeigeführt, dass entgegen dem Prinzip des Qi-Ausgleichs die Nadel fehlerhaft an den Punktstellen im Bereich der vier Extremitäten eingeführt wird.“ (Nei Jing Ling Shu, Kap.1)
„Das Geheimnis um den Einsatz der neun Nadeln beinhaltet somit eigentlich die Herbeiführung eines Ausgleichs zwischen Festigkeit (Überschuss) und Aushöhlung (Mangel) des Qi.“ (Nei Jing Ling Shu, Kap.1)
Das Prinzip des Qi-Gleichgewichts ist Grundvoraussetzung für ein normales Funktionieren des Körpers, für den Gesundheitszustand. Das Prinzip ist gültig für alle dualen energetischen Ebenen des Körpers: Yin/Yang, Zang/Fu, Qi/Xue, Innen/Außen, Oberfläche/Tiefe, Oben/Unten, Ehemann/Ehefrau, Mittag/Mitternacht, u. a.
Gleichzeitig ist zu merken, dass sich das energetische Quantum in einer duale Ebene während einer Behandlung nicht ändert. Wir können Energie weder geben noch nehmen. Wir können nur den energetischen Zustand in einem der zwei Bereiche der dualen Ebene tonisieren oder sedieren. Wenn durch tonisieren der energetische Zustand (Qi) in einem der Bereiche zunimmt, wird der energetische Zustand (Qi) im anderen Bereich abnehmen. Wenn im Gegenteil das Qi im ersten Bereich sediert wird, wird der zweite Bereich durch Zunahme des Qi reagieren. Das heißt, dass die Therapie eigentlich eine Qi Umverteilung bewirkt. Daher müssen wir darauf achten, dass man unbedingt eine Qi-Ausgeglichenheit anstrebt. Es darf nicht die Schwäche sediert oder die Fülle tonisiert werden. Weil die wahre Ursache einer Erkrankung immer eine Schwäche/Leere ist, soll eine energetisch korrekte Behandlung den schwachen Bereich tonisieren. (Ausnahme ist die Fülle der “Perversen Energie”.) Durch Tonisierung des „Schwachen“ wird der „Starke“ geschwächt und der erste Schritt in Richtung Qi-Ausgeglichenheit ist getan. Bei Schwächung des „Starken“ wirkt man in Richtung einer „doppelten Schwäche“ und das ist ein Fehler.