Der Gelbe Kaiser wandte sich an Qi Bo und sprach: “Ich liebe mein Volk . . .
Und so bin ich nicht nur um seine ausreichende Ernährung besorgt, sondern auch um seine Anfälligkeit für alle möglichen Krankheiten. Und deshalb bin ich mit der medikamentösen Gabe von giftiger Medizin oder dem Einsatz von Nadeln aus Stein allein nicht zufrieden und halte daher auch die Verwendung kleiner Nadeln für notwendig, mit denen man den Fluss des Qi in den Meridianen beeinflussen, den Fluss von Blut und Qi überhaupt beeinflussen kann ebenso wie jene Punktstellen, an denen die Qi-Ströme zusammentreffen, die nach unten und oben steigen, nach innen und nach außen fließen.“ (Nei Jing Ling Shu, Kap.1)
Diese Passage ist eine der wichtigsten von den „Klassikern“ weil sie zeigt, was die Akupunktur kann, mit anderen Worten was von der Akupunktur verlangt wird. Die heutige Akupunktur kann man als „traditionell“ bezeichnen, in keinen Fall „klassisch“, weil sie nicht auf den Klassischen Regeln beruht, oder „energetisch“, weil sie nicht gezielte Energetische Wirkungen auslöst. Die „Schein-Akupunktur“ löst auch energetische Wirkungen aus, ist aber keine energetische Akupunktur.
Die Weiterführung der Akupunktur im sinne der „Klassiker“ wurde schon vor langer Zeit abandonniert, weil man mit den Begriffen nicht zu Recht kommen konnte. So wurden Methoden mit begreiflicheren Bedeutungen entwickelt und traditionell weitergeführt. Deshalb ist auch heute die Behandlung mit Wirkstoffen bevorzugt (dem Gelben Kaiser aber passte es schon damals nicht). Diese Akupunktur ist eigentlich eine Behandlung, die an einem „Muster“ und nicht an den Patienten mit seinen Erbgut, seinen energetischen Besonderheiten (mit Auslöser der Störung und Anpassungsfähigkeiten und zukünftigen Folgestörungen) angepasst wird.
Die Entwicklung der wissenschaftlichen Kenntnisse, gedoubelt von einer Akupunktur, die auch im Sinne von klinischer Forschung praktiziert wurde, hat mir erlaubt, vielen Termini, in den heutzutage gängigen Begriffen, einen nützlichen Sinn zu geben. Das erlaubt die Bedeutung von „Fluss des Qi in den Meridianen, Fluss von Blut (Xue) und Qi, Punktstellen wo Qi-Ströme zusammentreffen, wo Qi-Ströme nach unten und nach oben steigen, nach innen und nach außen fließen“ zu verstehen. Der Fluss des Qi in den Meridianen ist eigentlich die Reaktivität des Meridians, die Reaktion des Meridians auf den Informationsfluss, der von den Geweben kommt und auf die Gewebe agiert. Das Qi wird gesteuert; es ist eigentlich das Qi des energetischen Organs. Das energetische Organ ist nicht das anatomische Organ, sondern eine Funktion (oder ein Funktionskomplex), die auf der zellulären Ebene zu finden ist.
Der Fluss von Blut (Xue) und Qi sind deren Zustände, die vom Funktionszustand der Einheitlichen Meridiane bestimmt ist.
Die Qi-Ströme steigen nicht nach unten und nach oben im Körper, sondern die Funktion der gesteuerten Energie ist nach Oben (Himmel/Energie) und nach Unten (Erde/Materie) gerichtet. Diese Funktionen finden im ganzen Körper statt.
Die Meridiane (Hauptmeridiane) steuern auch die Funktionen die sich innen im Zentrum und außen an der Peripherie des energetischen Geschehens des Körpers befinden, bzw. in den energetischen Organen und in den Geweben.
Es wurde klargestellt, dass der therapeutische Eingriff (Tonisierung oder Sedierung) vom energetischen Zustand des Punktes (Leere oder Fülle) und nicht von theoretischen Überlegungen bestimmt sein soll. Die Behandlung ist auch davon abhängig, ob die Erkrankung eine äußere oder innere Ursache hat, bzw. es wird nur in der Oberfläche oder auch in der Tiefe gestochen.
Dies ermöglicht, eine Akupunktur zu praktizieren, die sich nicht nach klinischen Symptomen sondern nach Zeichen des energetischen Status (vom allgemeinen bis zu den örtlichen) orientiert.