„Ich habe gehört, dass es drei verschiedene Arten von Nadelung gibt. Um welche handelt es sich dabei? Diese sind: Erstens Einführung der Nadel in das Nahrungsqi, zweitens Einführung der Nadel in das Abwehrqi sowie drittens die Einführung der Nadel bei Bi-Erkrankungen der Kälte“.
„Und wie werden diese verschiedenen Arten denn angewandt? Bei einer Erkrankung des Nahrungsqi führt man die Nadel ein, um Blut herauszulassen, bei einer Erkrankung des Abwehrqi muss man das Qi heraustreten lassen und bei einer Bi-Erkrankung der Kälte muss man innere Hitze erzeugen“. (Nei Jing Ling Shu, Kap.6)
Hier geht es im Grunde genommen um drei Sorten von Energien die mit Nadeln behandelt werden:
a. Die normale Energie des Hauptmeridians (HM), Yíng Qì 營氣, ist als Nährenergie bezeichnet. Da die Nährenergie eng mit dem Blut (Xuè 血) verbunden ist, sind die Hauptmeridiane auch Blutbahnen oder Blutleitbahnen benannt. In diesem Zusammenhang wird die Sedierung /Minderung der Meridianenergie als „Aderlass“ bezeichnet. Die Nährung hat auch die Bedeutung von Erhaltung. Yíng 营 mit Signifikum 艹 (Gras) hat den Sinn von Erhaltung durch Nahrung. Yíng 營 mit Signifikum 火 (Feuer) hat den Sinn von Erhaltung durch ständige Zündung („Funk des Lebens“).
b. Die normale Energie des Tendinomuskulärenmeridians (TM), Wèi Qì 衛氣, als Abwehrenergie, ist als Anpassungsenergie anzusehen. Diese Energie fließt außerhalb des Hauptmeridians, in die Sekundärmeridiane, die eng mit dem Gewebe verbunden sind* (Zhèng qì 正氣).
c. Die gestörte Energie der Tendinomuskulärenmeridianen, Xié Qì 邪氣 (pervertierte, perverse Energie), bildet sich in den Gewebe, dringt in den Poren der Haut, danach in den energetischen Kapillaren und schließlich in den Sekundärmeridianen ein. Diese Störung ist von Kälte (Abkühlung) verursacht. Die Abkühlung führt zu Verlangsamung der physiologischen/biochemischen Abläufe. Die Abnahme der Nierengesteuerte Grundfunktionslage führt zu einer Zunahme der Yang Ming Funktion und eine Entzündungsorientierte Stoffwechsellage**. Das bildet eine energetische Fülle im TM-Meridian Bereich (Akut-Zustand). Beim Stechen füllt sich das als ein harter Bereich (die Nadel dringt wie in „harte Käse“ ein***).
Wenn der Akut-Zustand vorbei ist, verbleibt eine Störung, die dünne, harte zellophanähnliche Schichten bildet und beim Stechen deutlich zu Merken sind**** („es kracht“ beim Durchstechen). Wenn beim Akut-Zustand die Störung auch in den Hauptmeridianbereich eingedrungen ist, sind diese dünne, harte Schichten auch im Hypoderm spürbar**** (es „kracht“ auch im Hypoderm bzw. Hauptmeridianbereich).
In der Regel, solche Störungen kommen nur bei Qi-Mangel- Zustände****** vor. Wenn die eigentliche Ursache der Störung ein exogener Faktor war (Kälte, Wind, Feuchtigkeit*******), wird nur örtlich dispergiert und nur peripher tonisiert (Meridian oder tiefere energetisch tonisierende Behandlungen). Wenn die Unsache endogen ist, wird auch örtlich tonisiert (im TM- und/oder HM-Bereich).
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** „Wenn die Nierenfunktion abnimmt, wird die Magenfunktion zunehmen (Pyrogene Stoffwechselbildung)“; wenn die Nierenfunktion abnimmt, nimmt die Dickdarmfunktion zu (Mittag/Mitternacht Regel).
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******* „Die Energie des Windes und der Feuchtigkeit wird in Energie der Kälte umgewandelt“ (wirkt so wie die Kälte, durch Abkühlung).